Technische Daten

Seid gegrüßt!
Lasst uns heute einen kleinen praktischen Exkurs in die Bedienung und die eurer Kamera unternehmen und einen genauen Blick auf technische Daten werfen. Sofern ihr eine Systemkamera oder eine hochwertige Kompaktkamera habt, werft bitte einen Blick auf das Einstellungsrad auf der Oberseite der Kamera.

Technische Daten - Fotografie eines Einstellrades einer Systemkamera – Bild von Korchjohn auf Pixabay.com
Fotografie eines Einstellrades einer Systemkamera – Bild von Korchjohn auf Pixabay.com

Wählt jedes Programm aus, schaut was die Kamera dazu sagt und versucht ein paar Schnappschüsse zu schießen und dabei die Einstellungen am Regler zu verändern. Die 4 Programmmodi findet ihr an jeder Systemkamera.


P – Programmautomatik
Die Programmautomatik übernimmt für euch die Einstellung von Blende und Belichtungszeit. Dieser Modus eignet sich für die meisten Situationen, da ihr wenig einstellen müsst. Gleichzeitig habt ihr genügend Einfluss auf Einstellungen wie ISO oder Weißabgleich.

A – Blendenpriorität (Zeitautomatik)
Über die Einstellung der Blende könnt ihr beeinflussen wie viel Tiefenschärfe euer Bild haben soll. Bei Portraits wählt ihr einen kleinen Blendenwert (<3) damit der Hintergrund unscharf wird. Man sagt dazu auch „Das Motiv freistellen“. Für die Landschaftsfotografie nutzt ihr hohe Werte (>8).

S – Zeitpriorität (Blendenautomatik)
Im S-Modus könnt ihr Einfluss auf die Belichtungszeit nehmen. Bei Aufnahmen mit fließendem Wasser könnt ihr entscheiden ob das Wasser scharf ist oder Wasser zu einem „Nebel“ verschwimmt. Bitte beachtet, dass ihr bei hohen Brennweiten sehr geringe Verschlusszeiten wählen solltet oder auf ein Stativ zurückgreift.

M – Manuelle Bedienung
Ihr übernehmt die volle Kontrolle über die Einstellungen der Kamera. Benutzt diesen Modus nur, wenn ihr euch mit allen Einstellungen auskennt und bereits Erfahrung habt.

Auto – Vollautomatik
Eure Kamera übernimmt die vollständige Steuerung der Bildeinstellungen. Dieser Sorglos-Modus bietet sich in Situationen an in denen es schnell gehen muss. Das Risiko in der Automatik besteht darin, dass eure Kamera die Situation falsch einschätzt und das Bild stark von euren Vorstellungen abweichen kann.

ISO, Blende, Verschlusszeit

ISO

Der ISO-Wert von Kameras leitet sich aus der analogen Fotografie ab und wird durch den Standard ISO-5800 geregelt.
Der Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Die meisten Kameras haben einen Basiswert von ISO 100.
ISO-Werte haben eine lineare Skalierung, wobei bei Kameras der Wert von einer zur nächsten Stufe stets verdoppelt wird. Eine Verdopplung entspricht auch einer Verdopplung der Lichtempfindlichkeit.

Es ist wichtig die ISO zu verstehen, denn mehr ist nicht automatisch besser. Stellt es euch so vor, ISO 100 entspricht der Lichtmenge die von eurer Umgebung in die Kamera gelangt. Bei ISO 200 fällt nicht mehr Licht in die Kamera, sondern die Werte auf dem Sensor werden digital verstärkt. Dies führt auf der einen Seite dazu, dass die gewollten Werte verstärkt werden, aber auch die Störungen im Hintergrund, auch Grundrauschen genannt, werden verstärkt.
Schwarz bleibt schwarz, auf dem Sensor können aber Störungen auftreten die mit höheren ISO-Werten auch stärker werden. Auf eurem fertigen Bild ist in dunklen Bereich dann eine Körnung zu sehen, die oft ein verschwommenes schwarz-grün ist.

Wann immer möglich nutzt geringe ISO-Werte und gleicht schlechtes Licht lieber mit einem Stativ und längerer Belichtung aus. Hersteller werben gerne mit sehr hohen ISO-Werten von deutlich über 6400. Nutzt es nicht! Selbst in der Nachtfotografie, Milchstraßen und Sterne bspw. sind Werte von über 3200 eher selten genutzt.

Blende

Der Blendenwert ist in der Fotografie an der Bruchzahl mit dem kleinen f davor zu erkennen (bsp: f 1/8). Die Blende regelt in erster Linie die Tiefenschärfe, oder auch Schärfentiefe genannt. Darunter versteht man wie deutlich, also wie scharf, der Hintergrund im Vergleich zum Vordergrund zu sehen ist. Bei sehr kleinen Zahlen spricht man von einer großen Blende. Es kommt besonders viel Licht durch die Linse auf den Sensor. Der Hintergrund verschwimmt sehr stark im Vergleich zu den nahen Objekten.
Bei hohen Werten spricht man von einer kleinen Blende. Es fällt weniger Licht auf den Sensor, der Hintergrund wird hingegen zunehmend schärfer.
Die Zusammenhänge könnt ihr ganz einfach mit euren Augen ausprobieren. Haltet einen Stift vor eure Augen und spielt mit der Entfernung. Die Lichtmenge regelt eure Iris. Bei starker Sonne fällt nur sehr wenig Licht auf den Sehnerv, bei Dunkelheit ist sie weit geöffnet und lässt mehr Licht hindurch.

Verschlusszeit

Die Verschlusszeit, oder auch Belichtungszeit, regelt genau das.
Es fällt nicht permanent Licht auf den Sensor eurer Kamera. Erst im Moment des Auslösens lässt euer Objektiv für eine bestimmte Zeit Licht hindurch. Jeder, der schon einmal Kinder oder Tiere fotografieren wollte, kennt das Dilemma. Die Bilder sind unscharf.
Warum sind Bilder bei bewegten Objekten so oft verschwommen?
Nehmen wir an ein kleines Kind rennt mit etwa 6 km/h über die Wiese. Das klingt erstmal nicht viel, entspricht aber 166 cm in der Sekunde. Reduzieren wir die Belichtungszeit auf 1/100 s bewegt sich das Kind noch immer 1,6 cm während der Aufnahme. Ist das Kind 10 m entfernt spielt es weniger eine Rolle als bei einer Entfernung von 1m, ich denke das Problem wird aber deutlich.

Ein Bildstabilisator im Objektiv oder der Kamera kann Verwacklungen bei einer Handaufnahme reduzieren, nicht aber die Bewegung des Objektes. Verfügt die Kamera über keinen Stabilisator kommt diese Bewegungsunschärfe noch hinzu.
Eine Reduzierung der Belichtungszeit kann also bewegte Objekte besser einfangen, wir nehmen aber ein anderes Problem in Kauf.
Es fällt weniger Licht auf den Bildsensor, d.h. wir benötigen mehr ISO oder eine größere Blende.

Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.

Johann Wolfgang von Goethe

Ihr seht, Fotografie bedeutet Licht einfangen und dort liegt gleichzeitig die größte Herausforderung. Die Natur liefert uns eine bestimmte Menge Licht und es ist unsere Aufgabe die beste Kombination aus Objektiv, ISO, Blende und Verschlusszeit zu wählen.
Es gibt in der Praxis noch weitere Parameter, wie den Weißabgleich oder die Belichtungskorrektur, aber damit beschäftigen wir uns ein anderes mal.

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